Tack – Tipps für die erste Wende auf dem Foil

Wingfoiler beim Einleiten einer Wende auf einem Foilboard

Foto: Sam Wai Chan

 

Die Wende – im Englischen Tack – ist das Wenden gegen den Wind. Im Unterschied zur Halse führt sie in einer  Kurve zum Wind hin und wieder von ihm weg. Da man sich bei der Wende gegen den Wind bewegt, fällt es den meisten Leuten schwerer, bei dem Manöver auf dem Foil zu bleiben als bei der Halse. So ging es auch mir. Die Wende war für mich auf dem Foil eine echte Herausforderung. Bis ich meine erste durchgefoilte Wende gefahren bin, hat es eine gefühlte Ewigkeit gedauert. Wenn es darum geht, ein Manöver zum Richtungswechel zu beherrschen, würde ich definitiv empfehlen, erstmal die Halse zu lernen. Tipps zur Halse findest du hier.

Die Wende zu lernen lohnt sich aber auf jeden Fall auch. Sie macht nicht nur Spaß, sondern hilft dir auch beim Höhehalten und kann dir neue Möglichkeiten eröffnen, auch bei sehr schwachem Wind einen Richtungswechsel auf dem Foil durchzuführen.

 

Drohnenaufnahme eines Wingfoilers mit eingezeichnetem Halbwindkurs und Wende zur Veranschaulichung der Fahrtrichtung relativ zum Wind.
Foto: Falko Wagner; Grafik: Silvio Hesse

 

Die zwei Grundversionen der Wende

 

Um die Grundversion einer Wende zu fahren, gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: 

  • die Heel-to-Toe-Tack
  • die Toe-to-Heel-Tack

Bei der Heel-to-Toe-Tack leitest du die Wende aus einer normalen Heelside-Position ein  und bei der Toe-to-Heel-Tack leitest du sie aus einer Toeside-Position ein.

Die einfachere der beiden ist für mich die Toe-to-Heel-Tack, da ich das Gefühl habe, bei dieser mehr Kontrolle zu haben, ich den Wing mit der neuen Back-Hand leichter greifen kann und ich heelside (also in Standardhaltung) aus dem Manöver herausfahre. Die Toe-to-Heel-Tack bin ich auch viel eher durchgefahren als die Heel-to-Toe-Tack. 

 

Heel-to-Toe-Tack


Toe-to-Heel-Tack

Videos: Sam Wai Chan

 

Voraussetzungen

 

Es ist hilfreich, wenn du bereits folgendes kannst: 

  • Sicher auf dem Foil fahren sowie anluven und abfallen können
  • Den Wing kontrolliert führen können. Das habe ich erstmal an Land geübt – zuerst laufend, dann auf dem Longboard sowie Surfskate und schließlich auf dem Wasser, aber nicht gleich auf dem Foil. Die Basics zur Wingkontrolle findest du hier.
  • Toeside (eingedreht) fahren können ist auf jeden Fall von Vorteil. 
  • die Halse fahren können auch, um bereits mit einem Richtungswechsel-Manöver vertraut zu sein

Je konstanter der Wind und je ruhiger das Wasser, desto einfacher ist es für den Anfang.

 

Der Bewegungsablauf in Etappen


1. Geschwindigkeit aufbauen

 

Fahrt aufnehmen: Geschwindigkeit gibt dir den nötigen Auftrieb, um auf dem Foil zu bleiben.

Beim Üben der Halse hatte ich bereits gelernt, dass Geschwindigkeit die Sache eher vereinfacht als schwieriger macht - natürlich nur soweit man dabei nicht schneller fährt, als man das Board auch noch sicher unter Kontrolle hat.

 

2. Kurve einleiten

 

Bevor du die Wende einleitest, solltest du auf jeden Fall sicher sein, dass alles frei ist und du genug Platz für das Manöver hast.

Dann immer weiter anluven, um das Board weiter in den Wind zu steuern - mit moderatem Druck auf die Zehen, wenn du Toeside fährst und Druck auf die Hacken, wenn du Heelside fährst). Der Winkel indem das Board dann zum Wasser geneigt ist darf dabei nicht zu steil, aber auch nicht zu flach sein. Die goldene Mitte macht's.

Während es bei der Halse eher helfen kann, eine weite Kurve zu fahren, bremst dich bei der Wende jedes Stück, das du zu weit gegen den Wind fährst eher aus - vor allem wenn du dich "im Wind" befindest, also im Bereich steiler als 45 Grad zum Wind, in dem du keinen Vortrieb mehr mit dem Wing generieren kannst. 

 

Drohnenaufnahme eines Wingfoilers auf dem Wasser mit eingezeichneten Windrichtungen und Kurslinien zur Veranschaulichung einer Wingfoil-Wende.
Foto: Falko Wagner; Grafik: Silvio Hesse

 

Die Führung des Wings

 

Timing und eine konsequente, zügige Führung des Wings spielen bei der Wende eine noch größere Rolle als bei der Halse. Während ich mich bei der Halse oft hauptsächlich darauf konzentriere, dass der Wing nicht stört, und meinen Fokus ansonsten auf das Fahren des Boards lege, ist die Führung des Wings bei der Wende ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Während man immer steiler am Wind fährt, wird der Wing nach oben und leicht nach vorne bewegt. Die hintere Hand kann dabei anfangs noch helfen, ihm die richtige Richtung zu geben. Entscheidend ist jedoch, dass der Wing depowert wird und die hintere Hand rechtzeitig losgelassen wird.

Die folgenden Bilder zeigen den Bewegungsablauf einer Toe-to-Heel-Tack.

 

Foto: Sam Wai Chan; Grafik: Silvio Hesse

 

Der Wing sollte in einer zügigen Bewegung über dem Kopf auf die andere Boardseite geführt werden. Bei der Heel-to-Toe-Tack also in Richtung Toeside, bei der Toe-to-Heel-Tack entsprechend in Richtung Heelside.

Wichtig ist, den Wing schnell auf die andere Seite zu bringen, bevor man mit dem Board in die neue Fahrtrichtung fährt. Befindet sich der Wing bereits auf der anderen Seite, unterstützt er dabei, steiler durch den Wind zu carven.

Auch der Handwechsel am Wing sollte zügig erfolgen: Zuerst die neue Front-Hand platzieren, dann die alte Front-Hand – die nun zur neuen Back-Hand wird – loslassen und den Wing greifen, sobald es möglich ist.

 

Fotos: Sam Wai Chan; Grafik: Silvio Hesse

 

Sobald man den Wing wieder mit beiden Händen kontrolliert, kann man ihn nutzen, um den Rest der Kurve zu fahren, Geschwindigkeit aufzubauen und auf Halbwindkurs in die andere Richtung weiterzufahren.

 

Foto: Sam Wai Chan; Grafik: Silvio Hesse

 

Nach dem Drehen der Board-Nose in die neue Fahrtrichtung findet auch die Gewichtsverlagerung von Heel-to-Toe (Fersen zu Zehen) bzw. Toe-to-Heel (Zehen zu Fersen) statt.

 

Foto: Sam Wai Chan; Grafik: Silvio Hesse

 

Vergisst du an dieser Stelle die Gewichtsverlagerung, bewegst du dich immer weiter in Richtung Vorwindkurs. Wenn du genügend Platz hast, ist das aber kein Problem: Häng einfach noch eine Halse dran, und du hast eine Tack 360 gemacht – und alle denken, das war geplant. ;D


4. Füße umsetzen (optional)

 

Du kannst die Füße vor der Kurve, währenddessen oder danach umsetzen. Mir gelingt das während der Kurve allerdings nicht. Ich setze die Füße meistens erst danach um. Beim Fußwechsel kurz aufzusetzen, ist am Anfang völlig normal und kann zusätzliche Stabilität geben.


Zusätzlicher Tipp

 

Am leichtesten fällt mir die Wende bei moderatem Wind. Viel Wind hilft mir eher bei der Halse. Bei der Wende bremst er jedoch stärker, wodurch man schneller Geschwindigkeit verliert.

Auch bei Leichtwind funktioniert die Wende eigentlich ganz gut – für mich teilweise sogar besser als eine Standard-Halse, weil man den Gegenwind während der Kurve nutzen kann.

Wenn Wind oder Geschwindigkeit nicht ausreichen, hilft es, zwischendurch ein wenig zu pumpen.

Der Tipp, der mir am meisten geholfen hat, war, den Wing früher und schneller auf die andere Seite zu führen. Das bewusst umzusetzen, hat mir vor allem bei der Heel-to-Toe-Tack geholfen. Bei der Toe-to-Heel-Tack habe ich das wahrscheinlich schon unbewusst gemacht, weil es mir leichter fiel, den Wing im Sichtbereich zu führen.

Ich würde daher empfehlen, mit der Toe-to-Heel-Tack anzufangen und erst dann die Heel-to-Toe-Tack zu üben. Führt man den Wing nicht schnell genug und depowert auf die andere Seite, bremst er einen durch den Gegenwind aus.

Die Führung des Wings kann man auch an Land gut üben. Auf dem Wasser habe ich mich dann eher langsam an die Wende herangetastet: zunächst nur im Taxi-Modus (also nicht auf dem Foil). Danach bin ich auf dem Foil in die Wende hineingefahren und im Taxi-Modus wieder heraus. So konnte ich mich an das Gefühl gewöhnen, immer weiter in den Wind zu fahren und die Abläufe richtig zu timen.


Weitere Empfehlungen

 

Ich bin kein Coach. Trotzdem würde ich empfehlen, einen Kurs zu besuchen. Es geht zwar auch ohne, aber du sparst wahrscheinlich Zeit und Frust, wenn dir ein Profi direkt zeigt, wie es geht und was du gut oder falsch machst.

Zusätzliche Videos, Bücher und Tipps von anderen sind natürlich ebenfalls hilfreich – für mich waren die Erfahrungen und Hinweise anderer sogar essenziell. Frag einfach andere Leute am Wasser, ob sie Tipps für dich haben, wenn du bei einem Manöver nicht weiterkommst. Du bist nicht allein. Uns alle verbindet die Faszination und Begeisterung für dieses magische Gefühl, übers Wasser zu fliegen – und die meisten helfen gerne weiter.

Genau darauf basiert auch dieser Blog. Ich habe viele wertvolle Tipps von anderen am Wasser bekommen und möchte sie hier weitergeben. Der Blog ist sozusagen nur eine Verlängerung des Strands – na ja, oder des Parkplatzes.

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